30. Juni 2014

Riesling aus der Steillage Ockfener Bockstein Alte Rebe Saar feinherb 2013

| 2 Kommentare

Alte Rebe aus der Steillage zudem aus einer Einzellage? Was kann da noch schief gehen? Korken raus und Kopf in den Nacken - oder wäre das zu schnell?


VORABINFOS: Bei diesem Wein wähle ich ganz bewusst einen anderen Weg, der Weinbeschreibung. So erkläre ich vorab die zwei wichtigen Begriffe: Alte Rebe und Steillage. Beide suggerieren Qualität und sind daher prominent auf dem Etikett platziert.

Der weinrechtlich nicht geschützte Begriff Alte Rebe(n) (franz.: vieilles vignes) wird im Weinmarketing gerne zunehmend verwendet. Und so manchem Marketingexperten kommt es zupass, dass dieser Begriff rechtlich nicht geschützt ist. So gibt es weltweit unterschiedliche Meinungen, ab wann ein Rebstock als alt gilt. Deutsche Winzer betrachten Rebstöcke, die 30 Jahre und älter sind, als alt. Warum ist es wichtig, dass der Wein von alten Reben stammt? Das Wurzelwerk eines Rebstocks wird im Laufe der Zeit tiefer und verzweigter, parallel nimmt der Ertrag eines älteren Rebstocks ab. Auf diese Weise können sich mehr Mineralstoffe und andere Extrakte in den einzelnen Beeren einlagern. Die Weine sind somit in aller Regel qualitativ hochwertiger, extraktreicher, dichter und komplexer als Weine von jüngeren Rebstöcken. Ausnahmen bestätigen hier jedoch dann und wann die Regel.

Zudem wirbt der Wein mit dem Begriff Steillage. Dazu müssen die Rebstöcke in Deutschland auf Weinbergen mit einer Neigung von mindestens 30 Prozent angebaut werden. Diese Weinberge sind nur per Seilzug oder anderen Hilfsmitteln zu bearbeiten. Da verwundert es nicht, dass Weine von Steillagen aufgrund des größeren Aufwands oftmals mit einem höheren Preis in den Handel kommen (müssen). Durch die starke Neigung des Weinbergs fällt die Sonne besser ein und der Boden kann die Wärme besser und länger speichern, so dass die Trauben fast jedes Jahr perfekt gereift geerntet werden können.

GEKAUFT BEI: Lidl für € 3,79

GERUCH: Apfel, Aprikose, gelbe Früchte

GESCHMACK: Sehr fruchtig, mineralische Anklänge, der höhere Restzuckergehalt (feinherb) tritt deutlich und zunächst nicht unangenehm hervor. Die Aromen wirken insgesamt sehr dicht, was der Bezeichnung Alte Rebe entspricht. Die anfangs lebhafte Säure verflacht jedoch mit jedem weiteren Schluck, so dass der Wein recht schnell eindimensional und plump wirkt. Dennoch wird er sicher Weinfreunden schmecken, die es gerne ein wenig süßer mögen.

GESAMTEINDRUCK: Das Etikett verspricht einen Riesling von alten Reben aus der der steilen Einzellage Ockfener Bockstein. Diese Angaben wecken bei Weinfreunden, die sich schon ein wenig mit Wein befasst haben, direkt die Neugier. Parallel wird der Zweifel „Wie kann dieser Wein nur € 3,79 kosten“ zunächst weggewischt und der Wein landet im Einkaufswagen. Ein genauerer Blick auf das rückseitige Etikett hätte diese Kaufentscheidung vielleicht schon im Geschäft relativiert. Der Wein stammt von Deutschlands „Weinfabrik“ Peter Mertes KG und das Unternehmen steht eher für Quantität als für herausragende Weinqualität. Daher Augen auf, beim Weinkauf.

BEWERTUNG: Ausreichendes Preis-Genuss-Verhältnis (4 von 6 Flaschen)




BEWERTET: Juni 2014


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Kommentare:

  1. Gratulation,
    hier schreibt mal wieder ein Etikettenleser!

    Bei einer Blindverkostung wäre es sicherlich peinlich geworden.

    Peter Mertes verfügt übrigens über ein eigenes Weingut, was deutschlandweit bekannt sein sollte - durchweg sehr gute Weine.
    Er (P. Mertes) versteht also was vom Wein.

    Der Ockfensteiner ist für diesen Preis äußerst gelungen, wobei der Serriger Vogelsang noch besser ist.
    In der Preisklasse (unter 4 Euro) habe ich noch keinen besseren Riesling verkostet.

    Prosit.

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    Antworten
    1. Hallo anonymer Etikettenleser,

      warum wäre es bei einer Blindverkostung peinlich geworden?

      LG WMCS & Friends

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