28. März 2017

Winzerstories | Das neueste Projekt von WMCS & Friends

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Jeder Wein birgt eine besondere Geschichte, Zeit, daraus aus einen Bestseller zu machen ... Für Ende April 2017 ist die Onlinestellung meines neuen Projekts Winzerstories geplant. Auf der neu geschaffenen Webseite stelle ich die individuellen Geschichten der Winzer und deren Weine vor. Lesevergnügen der anderen Art. Eine kleine Kostprobe findest Du nachstehend.


Grauer Himmel. Fahrt durch weiß getupfte Landschaften. Temperaturen knapp unter null Grad. Trotz des wenig einladenden Wetters, entschloss ich mich, meine erste Weinreise des Jahres 2017 anzugehen, und mir die besondere Geschichte des sympathischem Winzers Klaus Böhme erzählen zu lassen. So fuhr ich also durch die verschneiten Landschaften ins Anbaugebiet Saale-Unstrut. In der Lindenstraße 2 in 06636 Kirchscheidungen angekommen, gebe ich direkt einen Rückblick – denn die gesamte Tour lässt sich frei nach einem Gassenhauer der jüngeren Vergangenheit zusammenfassen:
Ein Bergstern, der seinen Namen trägt …
Echt jetzt? Das klingt doch wirklich albern. Warum sollte ein Stern bzw. ein Bergstern den Namen Klaus Böhme tragen? Liegt es etwa daran, dass Klaus ein Fan der alpenländischen Sänger DJ Ötzi und Nik P. Ist? Das wäre zu kurz gedacht, auch wenn es nahe liegt; denn ein Faible für österreichische und deutsche Berglandschaften kann Klaus nicht leugnen.

Der Ursprung von Bergstern

Bei einer seiner geliebten Bergtouren – die er in seiner knapp bemessenen Freizeit gern unternimmt – kam ihm 2011 beim Anblick der mächtigen und Respekt einflößenden Berge spontan der Gedanke, dass er die Weine seiner exponiertesten Lagen Bergstern nennen könne. Weine, die so imposant wie die Gipfel der Alpen sind und wie ein Stern über seinem gesamten Sortiment leuchten. Das klang für mich beim ersten Hören schon arg schwülstig, aber je länger ich mit ihm über diese Assoziation sprach, desto schlüssiger wurde die Namensgebung für seine Spitzenweine für mich. Und diese Schlüssigkeit werde ich im weiteren Verlauf dieser kleinen Geschichte gern mit Dir teilen.

Wer nun glaubt, dass sein Hauptaugenmerk auf diesen Bergsternen liegt, irrt vollkommen. So ist es nicht sein Ziel, ausschließlich seine Spitzenprodukte zu verbessern. Vielmehr richtet er sein gesamtes Engagement darauf, in seinem gesamten Sortiment perfekte Ergebnisse zu erzielen, so dass seine eigene Handschrift in allen Weinen zu erkennen ist. Mir wurde immer mehr bewusst, dass Klaus ein Mensch ist, der sein Wirken und Streben stets reflektiert und klar betrachtet.

Eigene Handschrift ist eine hohle Phrase, wenn sie nicht mit Leben gefüttert wird

In unserem gemütlichen Gespräch – es war so, als würden zwei alte Freunde miteinander plaudern und fachsimpeln – stellte er mir sein Verständnis für seine Handschrift vor, die sich in seiner gesamten Produktlinie „lesen“, riechen und schmecken lässt. Der reine und pure Geschmack der Beeren – wenn er sie im Herbst direkt vom Rebstock nascht – soll sich in jedem Wein spiegeln.  Da verblüffte es mich nicht weiter, dass für ihn nicht die „nackten“ Analysewerte zählen, sondern die Sensorik im Verbund mit dem Analysewerten für ihn die Hauptrolle der Weinherstellung spielt. Verdammt, warum war es draußen nur so kalt? Ich bekam direkt Lust mit ihm Naschen zu gehen ...

Auf seinen 12 Hektar Anbaufläche kultiviert er verschiedene Rebsorten, aus denen zu 65 bis 70% Gutsweine, zu 25 bis 30% Lagenweine und nur zu ca. 5% seine Spitzenweine „Bergstern“ entstehen. Seine Anbaufläche möchte er nicht erweitern, denn nur so kann er nach eigenen Worten sicherstellen, dass er den gesamten Herstellungsprozess selbst steuern kann, um so seine Handschrift in allen Weinen erkennen zu lassen. 

Die Gutsweine

Allgemein besteht für ihn eine besondere Chance für einen steigenden Erfolg der Weine aus den „nördlichen“ Anbaugebieten in den höheren Gesamtsäurewerten der Weine, die zu einer guten harmonischen Einbindung in das Gesamtbild ermöglichen. Und so ist seine eigene Handschrift bereits in seinen Basisqualitäten - den Gutsweinen - gut zu erkennen. Der spezifische Charakter der jeweiligen Rebsorte steht im Mittelpunkt; fernab aller Trends und verfälschender Möglichkeiten im Weinkeller. Zusammenfassen lässt sich dieses meines Erachtens unter dem Gesichtspunkt: Natur pur.

Die Lagenweine

Aus besseren Lagen entstehen ganz gezielt seine gehaltvollen Lagenweine, bei denen die jeweilige Rebsorte und das Terroir (Bodenbeschaffenheit, Klima, Mikroklima etc.) zu einer Einheit verschmelzen. Das sind keine hohlen Worte, sondern lässt sich mit jedem Schluck tatsächlich nachvollziehen. 

Die Bergsterne

Die Sterne, die seinen Namen tragen, sollen stets maximalen Tiefgang bieten. Nicht mehr, nicht weniger. Das nenne ich mal ein Ansage. Klaus möchte, dass diese trocken ausgebauten Weine für die Konzentration von Weinberg und Rebsorte mit einem kräftigen Körper und hohen Extrakten stehen.

So wie Klaus seine Arbeit nicht allein auf diese Weine konzentriert wissen möchte, gehe ich hier nicht weiter darauf ein. Stattdessen empfehle ich jedem Weinfreund, sich einmal den Genuss zu gönnen, einen dieser Weine zu verkosten, zumal sie mit 19,00 Euro nicht die Welt kosten. Natürlich ist bei mir dabei bewusst, dass nicht jeder Weinfreund derartige Preise bezahlen möchte, dennoch kann ich versichern, dass bei diesen tollen Weinen das Preis-Qualitäts-Verhältnis absolut stimmig ist.

Vom Suchen und Finden der eigenen Handschrift

Prinzipiell setzt Klaus auf konventionellen Weinanbau, ohne die Natur aus den Augen zu verlieren. Die Schere zwischen konventionellem und biologischen Weinanbau geht ihm zu weit auseinander. Er verdeutlicht dieses im Gespräch anhand von den zwei deutschen Lehrstühlen für Weinbau, die sich seines Erachtens voneinander entfernen, anstatt die besten Elemente beider Linien zu vereinen.

Auch wenn er kein ausgewiesener Verfechter des biologischen oder biodynamischen Weinbaus ist, verzichtet er in seiner täglichen Arbeit konsequent auf Herbizide und setzt zudem auf eine mechanische Bodenbearbeitung. Das Auflockern des Bodens beseitigt Verdichtungen sowie Verschlämmungen in der oberen Erdkrume. Dadurch entstehen luft- und wasserführende Kapillaren, welche die Bodenbelüftung und Regenverträglichkeit verbessern. Zudem verhindern sie eine zu schnelle Wasserverdunstung. Je nach Bodenart kann Grundwasser ca. 0,5 m bis 1 m unterhalb des Wurzelraumes noch ausreichende Wassermengen liefern und den für das Pflanzenwachstum wichtige Stickstoff sowie weitere Nährstoffe besser in die Rebstöcke transportieren. Bei rund 3 Hektar (Tendenz steigend) seiner Rebflächen kommt Tröpfchenbewässerung zum Einsatz. Denn im Gegensatz zum vorherrschenden Irrglauben, dass in den kühlen Regionen des 51. Breitengrads (auf diesem liegt das Anbaugebiet Saale-Unstrut) Wasser im Überfluss – und dafür zu wenig Sonne – vorhanden sei, muss auch in dieser Region auf den Wasserhaushalt genau geachtet werden.

Interessanterweise überlässt der technikaffine Winzer auch in diesem Punkt nichts dem Zufall. So betreibt er seit 2016 eine eigene professionelle Klimastation, die er an einem Punkt platziert hat, der ihm einen guten Mittelwert für das gesamte Weingut liefert. Mehr als 24 Messerwerte pro Tag erlauben ihm eine natürliche Steuerung der Arbeiten im Weinberg – Qualitätsstreben in Reinkultur.
Im Weinkeller nutzt er eigene Hefestämme und neutrale Reinzuchthefen, die seine Handschrift, den Charakter der jeweiligen Rebsorte zu bewahren, ermöglichen. Außerdem ist es ihm wichtig, dass er so so das Risiko von höheren Histaminwerten in seinen Weinen verhindert, die bei Spontangärungen auftreten können.

Mit Stolz berichtet er mir zudem von alten Silvanerreben, die sich seit 1934 im eigenen Stand befinden. Besonders glücklich ist er darüber, dass er dieses genau belegen kann, da er das Tagebuch des Vorbesitzers sein Eigen nennen darf. Seine liebste Rebsorte ist der Weißburgunder, der insbesondere an Saale-Unstrut hervorragend gedeiht und unverfälschte Weine entstehen lässt.

Wer hat an der Uhr gedreht?

Irgendwie verflogen die drei Stunden unseres Gesprächs wie im Flug. Bevor ich mich wieder auf den Heimweg durch die verschneiten Weinhänge machte, wollte ich von ihm noch erfahren, wohin ihn sein Weg in der Zukunft führen soll. Sein Traum ist es, dass seine Tochter eines Tages in seine Fußstapfen tritt und sein Verständnis von nachhaltigem Weinanbau nicht nur weiter fortführt. Er selbst sieht seinen weiteren Erfolg in der Entwicklung und Ausschöpfung des Rebsortenpotenzials im Zusammenspiel mit den Besonderheiten des jeweiligen Terroirs.
Raus aus dem schnuckeligen Verkostungsraum, rein ins Auto, Radio aus, denn den Song des Sterns der seinen Namen trägt, könnte kein DJ jetzt übertreffen.


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